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Abweichende Argumente

Die andauernde Corona-Krise führt der Welt brutal vor Augen, wie wenig es braucht, damit aus dem gewohnt unsicheren Dasein abhängig Erwerbstätiger die Katastrophe bürgerlicher Existenzunfähigkeit wird: ein bisschen staatlich verordnete Vernunft in Sachen Volksgesundheit, und innerhalb kürzester Zeit gerät vom Wohnen bis zum Essen so ziemlich alles in Gefahr. Das alles kostet ja Geld, aber die Möglichkeit, es zu verdienen, haben gerade die, die existentiell davon abhängen, überhaupt nicht in der Hand. Das gilt so unbedingt wie es fraglos hingenommen wird.

Und so fällt den davon Betroffenen in der Krise mehrheitlich nichts anderes ein, als inständig den Wunsch nach einer „Rückkehr zum Alltag“ zu hegen. Dass sie aus dem unerträglichen Sonderfall des Lockdowns den Schluss ziehen, der Normalfall des freiheitlichen Bemühens ums Zurechtkommen wäre der Inbegriff erstrebenswerter Verhältnisse, ist aber grundverkehrt. Denn gerade der pandemiebedingte Ausnahmezustand wirft ein unschönes Licht auf die herbeigesehnte Normalität:

  • Da erweist sich das stolze Erwerbsbürgertum als je schon prekäre Lebensweise, die ein bisschen Rücksicht auf die Gesundheit ums Verrecken nicht verträgt.
  • Da zeigt sich die Freiheit als die zweifelhafte Lizenz, das zu tun, was man sowieso muss, also allen Notwendigkeiten des Gelderwerbs selbstverantwortlich nachzukommen, und daneben sich zu Gott und der Welt noch den größten Unsinn frei und quer zu denken. Der zählt dann nicht mehr und nicht weniger als jede begründete Einsicht.

Wer sich also nicht einer aus der Not der Abhängigkeit geborenen Sehnsucht nach ‚Normalität‘ hingeben, sondern aus einer Krise einen Schluss auf die Welt vor, nach oder ohne Krise ziehen will, den laden wir zu unseren Diskussionsveranstaltungen ein.

Weitere Infos und Termine: www.farberot.de (bis auf Weiteres im Online-Format)