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Gar nicht so nichtig. Zwischenräume in visuellen Zeugnissen und ihre soziokulturellen Dimensionen

„Erst wenns fehlt, fällts auf“ – unter diesem Motto weisen die DRK-Blutspendedienste seit 2018 durch das Weglassen der Zeichen A, B und 0 auf Plakaten unter dem #missingtype darauf hin, dass es an Blutspenden fehlt. Die entstehenden Lücken in Worten und Sätzen werden dabei zu Leerstellen, die in der Betrachtung stören und irritieren und eben genau dadurch ein aktives Handeln in Gang setzen sollen. Es manifestiert sich in ihnen ein Moment des Bruchs, dessen eigentlicher Sinn gewissermaßen „zwischen den Zeilen“ steht. Begreift man dieses „Dazwischen“ als eine Sphäre, in der Unausgesprochenes und Anderes zum Vorschein kommen kann, so grenzt sich dieser Zwischenraum von Orten der einfachen Zuschreibung und klaren Besetzung entschieden durch seine Unbestimmbarkeit und einer damit verbundenen Deutungsweite ab und formt dadurch eigene Orte, die sich nur treffend als Nicht-Orte oder als „Orte außerhalb aller Orte“ (Foucault) beschreiben lassen. Leerstellen, Brüche und Diskontinuitäten weisen auf solche Orte (oder Räume) explizit oder implizit hin und machen sie für uns materiell greif- oder visuell sichtbar. Wir wollen im autonomen Tutorium solche Un\Möglichkeitsräume ausmachen, beschreiben und diskutieren und dabei Konzepte der Gegen\Dokumentation, des Nicht-Verstehens, des kollektiven Erinnerns und der Utopie einbeziehen. Konkret heißt das, dass wir uns diesen Konzepten anhand von visuellen Materialien und theoretischen Texten nähern und sie zur Diskussion stellen. Dabei geht es vor allem um eine „Blicköffnung“ für das Unbestimmte, (bisweilen auch Wahllose), die Abwendung von gängigen Praktiken und gegenläufige Darstellungsstrategien. Ein interdisziplinäres Vorgehen und medial breites Spektrum stehen daher methodisch im Vordergrund. Die Sessions werden als Blockveranstaltungen im Juni und Juli via Zoom stattfinden. Den vorläufigen Verlaufsplan und die Zugangsdaten für die Zoom-Videokonferenz versenden wir rechtzeitig per E-Mail.

Erstes Treffen: Montag, 14. Juni, 12–14 Uhr (c.t.) via Zoom.

Kontakt: Julia & Paula (paula.guenther@stud.uni-frankfurt.de)