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Kunst und Klasse – Wem gehört die Kunst?

Es bleibt ein altbewährtes Vorurteil, dass sich die bildende Kunst nur einem elitären Publikum erschließt. Und doch ist daran auch etwas Wahres. Kunstwerke werden in Auktionshäusern in millionenfachen Beträgen verhandelt, die Museen scheinen immer noch nur dem Bildungsbürgertum zugänglich zu sein, und das Verständnis von Kunst, und seinem gesellschaftlichen Mehrwert bleibt den meisten verschlossen.

Anhand verschiedener Texte wollen wir erschließen, inwiefern die soziale Klasse den Zugang zu Kunst erleichtert, oder erschwert. Hierfür werden wir sowohl kunstspezifische Aufsätze lesen, als auch in interdisziplinärer Weise arbeiten.

In einem ersten Block wollen wir uns einen historischen Überblick zum Komplex von Kunst und Klasse verschaffen. Hierfür dient uns der Einleitungstext Jens Kastners aus dem Sammelband „Die Linke und die Kunst“. Kastner erarbeitet mittels verschiedener politischer, als auch soziologischer Theorien den Einfluss von sozialer Klasse auf die Auseinandersetzung mit der Kunst und künstlerische Praxis.

Der zweite Block wird sich dem Komplex der Kunstproduktion widmen. Hierfür lesen wir Auszüge aus Boris Arvatovs „Art & Production“. Konkret werden wir uns mit der Aufteilung von bildender Kunst und Kunsthandwerk beschäftigen, die ebenfalls nicht losgelöst von Klassenzugehörigkeit betrachtet werden kann. Als praktisches Beispiel dient uns hierfür die Arbeit William Morris, der als Mitbegründer des Arts and Crafts Movement den Konflikt von bildender Kunst und Kunstgewerbe thematisierte. Jedoch darf hier auch ein feministischer Zugang nicht fehlen. Kunsthandwerk, vor allem die Arbeit mit Textil, wird häufig mit weiblichen Attributen versehen, sodass der Zutritt in die „höheren“ Kunstsphären – spezifisch der bildenden Kunst – verwehrt wird.

Das die Klassenfrage nicht isoliert betrachtet werden kann, ergibt sich auch im Hinblick auf bell hooks Analyse des Komplexes. Um die Verflechtung von Geschlecht, Herkunft und Klasse eingehender zu erarbeiten, werden wir Auszüge aus ihrem Werk „Die Bedeutung von Klasse“ lesen.

Enden wollen wir mit einem Ausblick darauf, was sich ändern muss, damit Kunst allen zugänglich gemacht werden kann. Dienlich ist hier ein zeitgenössischer Blick auf das Themenkomplex von Kunst und Klasse, wie er beispielsweise von Kimberly Drew vertreten wird.

Erstes Treffen Mi, 21.04.2021, 17 Uhr, via Zoom

Kontakt: fachschaft-kunstgeschichte@hotmail.de (Luisa, Radia, Sarah)