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Autonome Tutorien FB 03

Was ist die Uni?

Wir alle studieren an einer Universität, aber die spezifischen Bedingungen der Ausbildung von Studierenden und der Produktion wissenschaftlichen Wissens werden im Seminar nur selten in den Blick genommen. Dabei findet sich in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Literatur eine Vielzahl diverser Deutungen und Vorstellungen davon, was die Universität sein soll – oder aber, ist der ideologische Schleier einmal gelüftet, in Wirklichkeit sei. Ist die Hochschule etwa, dem humboldtschen Ideal gemäß, der „Gipfel[], in dem alles, was unmittelbar für die moralische Cultur der Nation geschieht, zusammenkommt“ und in dem objektive Wissenschaft und subjektive Bildung eins werden? Oder ist sie nur ein „ideologischer Staatsapparat“ (Althusser) neben anderen, der die kapitalistische Reproduktion in Gang hält bzw. nur ein Zahnrad im Getriebe der „Kontrollgesellschaften“ (Deleuze)?

Neben einem einleitenden theoretischen Streifzug, bei dem neben den hier angedeuteten Positionen auch Texte von Horkheimer, Bourdieu oder Sara Ahmed zur Diskussion gestellt werden können, sollen mit der Rolle der deutschen Universitäten im Nationalsozialismus und den internationalen Studierendenprotesten um 1968 zwei zentrale historische Momente beleuchtet werden. Von dort aus nehmen wir im Anschluss den 1999 in Gang gesetzten Bologna-Prozess in den Blick und fragen nach dem Bedeutungsgehalt von Begriffen wie „akademische Freiheit“ in aktuellen Debatten. Abschließend soll im Zuge einer erneuten Hinwendung zu theoretischen Texten (Butler, Derrida) nach den Möglichkeiten einer Hochschule jenseits von Bologna gefragt werden.

Kontakt: Sebastian Dute, s.dute@stud.uni-frankfurt.de

Starttermin: 03.11. 14-16Uhr