Kategorien
FB 05

Psychoanalyse als emanzipatorische Wissenschaft – braucht es einen orthodoxen Freud?

Seit Beginn der Psychoanalyse sieht sie sich Anfeindungen ausgesetzt. Auffallend oft richten diese sich mittels ad hominem Argumenten gegen ihren Begründer Sigmund Freud. Mal tritt Freud in antisemitisch aufgeladenen Schmähungen als Zersetzter bürgerlicher Ideale auf, mal gilt er als prüder alter weißer Mann, der versuche die Sexualität zu normieren. Doch woher kommt der feindselige Affekt, mit dem sich die Psychoanalyse im Allgemeinen und Sigmund Freud als Übertragungsobjekt im Besonderen konfrontiert sieht?

Eine Erklärung gibt Uli Krug (2016), indem er in Freuds Erkenntnis, dass das Ich nicht Herr im eigenen Haus ist, eine enorme Kränkung bürgerlicher Subjektivität ausmacht: Nicht einmal im Privaten bewahrheite sich das bürgerliche Selbstverständnis von freiem Willen und Vernunftgeleitetheit. Während Freud das bürgerliche Selbstverständnis im Privaten erschüttere, entlarve Marx im Öffentlichen den:die Bürger:in als „Charaktermaske“.

Ein Bestreben Freud und Marx, Psychoanalyse und Kritik der politischen Ökonomie zusammenzudenken, liegt also nahe und wurde vielfach verfolgt. In dem Tutorium soll es darum gehen, dieses Zusammendenken nachzuvollziehen und kritisch auf verschiedene Entwürfe der Psychoanalyse als emanzipatorische Wissenschaft einzugehen. Gestartet wird mit Grundlagen der beiden Kritiken.

Bei Interesse bitte melden bei: Pius.reuling@stud.uni-frankfurt.de